Ich dachte es w├Ąre der Hip Hop, aber es war doch der Funk

Bewusst mit dem Musikmachen habe ich mich besch├Ąftigt, als der Hip Hop 1983 nach Deutschland kam. Alles noch sehr unbeholfen mit den Tape-, Bandmaschinen- und Turntable-Kabelsalat-Aufbauten. Pretty oldschool-analog halt. Es hat dann noch eine ganze Zeit gedauert, bis das ├╝berhaupt was wurde. Zun├Ąchst mal nur f├╝r die Geburtstagskinder um mich rum zu den Maxi-B-Seiten bekannter Raps, konnte ich Ende der 1980er schon mal einige deutschsprachige Geburtstagsraps zum Besten geben und einen gewissen eigenen Stil entwickeln. W├Ąhrend des Informatik-Studiums kam das ganze aber zum Erliegen.

Mehr durch Zufall geriet ich auf eine Jam, mit den noch unbekannten Massiven T├Ânen, die kurz vor der hei├čen Phase des deutschsprachigen Hip Hops um die Jahrtausendwende stattfand. Die alte Begeisterung war wieder da. Ich begann Graffitis zu fotografieren und mich mit der Idee zu befassen Internet, Rap und digitale Musikproduktion zu einem ganzen zu verschmelzen. Obwohl ich durch das klassische Auflegen in den Diskos meiner Eltern und meines Onkels schon fr├╝h ein Gef├╝hl f├╝r Rhythmus hatte, brauchte es noch etwas, bis die ersten Beats wirklich groovten. Ohne echte Studioerfahrung war es nicht wirklich einfach mit der damaligen Musiksoftware zu arbeiten. Pl├Âtzlich mu├čte sich ja nicht nur um den Text und Beat, sondern auch um das Mixen, Mastern, rechtliche Aspekte usw. gek├╝mmert werden. Der Wille weiter an dem Projekt Geburtstagsraps zu arbeiten, hat geholfen am Ball zu bleiben.

Mittlerweile sind 15 Jahre vergangen und so langsam hat die Sache eine gewisse Qualit├Ąt. Wenn ein Geburtstagsrap anf├Ąllt, ist dieser wesentlich schneller produziert als fr├╝her und klingt auch wesentlich besser :-). ├ťber die Jahre kam hier und da auch mal der Gedanke, das Rappen auszuweiten. Aber wenn ich mir die heutige Szene so anschaue, bin ich wohl f├╝r die meisten Themen zu alt. Herz, Schmerz und die g├Ąngige frauenverachtende Machart oder gar politische Statements sind alles nicht wirklich mein Ding. Zudem bin ich in der Zeit der 1990er irgendwie stehen geblieben. Der Zeit, als Hip Hop sich noch des Soul, Funk und Jazz bedient und richtig gegroovt hat. Viele der heutigen Hip Hop Beats ziehen mir die Schuhe aus, mal abgesehen von den Texten. Aber jeder wie er mag. Wir waren immer Mittelstandskids und haben nie an brennenden M├╝lltonnen gestanden, wie Smudo es so sch├Ân formulierte. Warum k├╝nstlich einen auf Gangster machen?

Nun, was mir in der R├╝ckschau der letzten 30 Jahre bewusst geworden ist: Ich dachte immer ich w├Ąre ein Hip Hopper, aber eigentlich habe ich immer auf Funk gestanden. Das ist ein wenig damit zu erkl├Ąren, dass ich schon mit 10 Jahren in den Discos meiner Eltern Disco, Soul und Funk geh├Ârt habe. Das war so Mitte der 1970er. Da Boney M. bei uns 1976 kurz vor dem Durchbruch von „Daddy Cool“ aufgetreten war, wurde meine unbewusste Funk-Leidenschaft einige Jahre von klassischem Disco ├╝berlagert. Eigentlich stand ich aber schon von Anfang an auf Akts wie James Brown, Stevie Wonder, Temptations, Chic/Sister Sledge und Kool and the Gang, auf wenn ich zu der Zeit prim├Ąr deren Disco-Sachen kannte.



In meiner Jugend kamen Prince, Rick James, Michael Jackson und nat├╝rlich Kurtis Blow, Sugarhill Gang, Grandmaster Flash, EPMD, Erik B. & Rakim und andere Eastcoast Hip Hopper der ersten und zweiten Generation hinzu. Den Beats war gemeinsam, dass sie auf den Errungenschaften des Funk der ersten Stunde aufbauten.



So kommt es schlie├člich, dass ich mich heute bei meinen Beats auf eine Mischung dieser Ans├Ątze konzentriere, ohne mich sklavisch an die Werke jener Zeit zu klammern. Das ist heute alles ziemlich Retro, auch wenn es daf├╝r einen moderneren Begriff gibt: Nu-Funk, der aber auch schon wieder einige Jahre auf dem Buckel hat. Da aber „Uptown Funk“ vor kurzem gezeigt hat, das die Leute diese Art von Musik noch immer bzw. wieder cool finden, kann es nicht so verr├╝ckt sein, sich mit diesem Ansatz weiter zu befassen.