Bei uns war’s genauso

Hab gerade einen Link auf einen alten Spiegelartikel von Smudo zu den Anfängen der Fantastischen Vier gelesen. Man, bei uns war es nicht anders. Wir sind schon Ende 1983 mit dem ganzen Zeug in Berührung gekommen und haben wie die Teufel alles gekauft, was auch nur im Ansatz mit Rap und Hip Hop zu tun hatte. Ich hab sogar noch irgendwo die berühmte Bravoausgabe zum Breakdance hier rumliegen. Wir haben mit unserem bescheidenen Equipment versucht zu Mixen, zu Scratchen, nachdem wir Wild Style im ZDF (mehr durch Zufall) gesehen hatten. Und auch wir haben uns einen abgebrochen mit dem Englischen. Mein damaliger Schulfreund Thomas war weit besser darin Whodini, Kurtis Blow und andere zu imitieren und ist auch dabei geblieben.

Ich hab schon 1984 gedacht, das ist nicht meine Sprache. Ich denke in Deutsch. Ich hab mich dann 1987 für meine damalige Freundin in Deutsch ins Zeug gelegt. Die Idee der Geburtstagsraps war geboren. Natürlich zu einem Beat von Grandmaster Flash auf der handelsüblichen B-Seite einer 12-Inch, also der Maxi-Single. Das war noch ziemlich viel Klamauk, damals noch mit Robert in der WG zusammen, bevor ich studiert habe. Aber das war echt cool. Zum Einkaufen durch die Strassen gelaufen und Reime gekickt. Noch ohne Storytelling oder Groove. Das kam alles erst viel später. Aber geil, kreativ, und Freiheitsgefühl mit Rhythmus.

Ich war zwar nicht so früh am Start wie Advanced Chemistry, aber weit früher als die Fantas ;-). Nun gut, im Münsterland waren wir die ersten und gefühlt einzigen, die sich in Hip Hop ausprobierten. Da Thomas einfach besser im Zeichnen war, hab ich Sketches bzw. Graffitis gar nicht erst probiert. Hinzu kam, aufgrund meiner Größe, aber immerhin noch Electric Boogie (erinnert sich noch jemand and Eisi Gulp und seine Trainings im Fernsehen?). Meine Spezialität war die Puppet, die mir leider auch die Knie ramponiert hat. Und natürlich der Moonwalk. Auch wenn viele den Michael Jackson zuschreiben, wir haben den in einem anderen Kontext wahrgenommen. Ich erinnere mich noch, wie wir versucht haben aus dem Gedächtnis heraus eine ganze Party lang die richtige Schrittfolge herauszubekommen. Das war alles noch ohne YouTube. Man wie einfach das heute alles ist, das zu lernen oder sich mit seiner Kunst zu präsentieren.

Immerhin sind wir 1984 mit all unserem Können in Münster in der City aufgetreten. Na ja, viel Publikum war nicht da. Damit konnte ja noch keiner wirklich was anfangen. Mit den Klamotten haben wir uns natürlich auch schwer getan. Wenn ich heute in irgendeinen Laden reingehe, ist das immer noch ein Gefühl von Paradies. Was hätten wir damals dafür gegeben, wenigstens ein wenig wie in den Anfängen von RUN D.M.C rumzulaufen (Adidas, Caps).

Durch die Discos meiner Eltern hab ich eine ähnliche musikalische Entwicklung durchlaufen wie Smudo. Der Mix zwischen James Brown, Donna Summer, dann Boney M. durch den Auftritt bei uns 1976 (Bobby und Liz waren echt nett zu uns Kindern), oder auch Deep Purple; man da war eigentlich alles dabei aus der Zeit, was man heute als gute Mucke der 1970er bezeichnen würde. Einige Vinylscheiben hab ich sogar in der Erstauflage gekauft. Mein Taschengeld ging genauso dafür drauf wie bei Smudo. Allerdings wurde das Mitarbeiten im Disco-Betrieb auch ganz gut entlohnt. Und ab und an gab’s auch mal eine geschenkt, wenn ich mit meinem Vater wieder neues Material für die Disco beim Plattenhändler unseres Vertrauens aussuchen war.

Es war schon erstaunlich wie oft wir beide aus den Neuerscheinungen Wochen, teilweise Monate vorher die kommenden Hits identifiziert haben. Dabei haben wir grundsätzlich den Anfang einer Platte kurz angespielt. Wenn wir uns nicht sicher waren, die Nadel noch mal in der Mitte angesetzt, tja und dann wurde die Entscheidung getroffen. Allerdings erinnere ich mich auch an einige wenige Male, wo wir nicht sofort den Zeitgeist getroffen haben. Unsere DJs bekamen ja recht schnell mit, was die Leute neues hören wollten, so dass die Zeitverzögerung bis zum Nachkauf kaum ins Gewicht fiel. Spätestens zwei Wochen später war die Scheibe dann auf unseren Plattentellern am Start.

Trotz der Vielfalt und dem quasi Schöpfen aus dem Vollen, habe ich mich später dann über den Umweg Hip Hop letztendlich für den frühen Funk entschieden, damit das eigene Musik machen mal eine Richtung bekommt. Liegt mir vom Gefühl einfach am nächsten, auch wenn es lange gedauert hat, das zu erkennen. Leider bin ich kein Musiker, der ein Instrument spielt. Insofern setze ich eher die Tradition der Hip Hopper der zweiten Generation fort und spiele auf rhythmische Art und Weise mit Funk-Fetzen (Samples bzw. Sample-Instrumenten) herum, die dann allerdings etwas moderner arrangiert sind, da ich mir heute ja ein virtuelles Studio mit allerhand Schnick Schnack leisten kann. Tja, und da es für diese Art von modernem Funk auch noch einen schon 15 Jahre alten Retro-Begriff gibt, schließt sich mit Nu-Funk Grooves gerade mal wieder der Kreis.

Can we go to the bridge? So let’s go to the bridge! One, two, three, …