Beat my Mix, Master!


Version 0.4

Einleitung

Wer als Rapper darĂŒber nachdenkt, wie er seine Beats selber gestalten kann oder nur freie Beats mit seinen Gesangsaufnahmen mischen möchte, sog. Mixing, der sollte sich im Klaren darĂŒber sein, dass es mindestens mal so lange an Einarbeitungszeit braucht, wie das Rappen selbst benötigt. Aber fĂŒr einen guten Klang wird das Mischen nicht ausreichen. Mastern gehört ja irgendwie auch immer dazu.

Ich habe 1987 mit dem Rappen angefangen, bin dann zum Beats produzieren ĂŒbergegangen um 2000 rum, um schließlich festzustellen, dass es nicht ausreicht Samples oder virtuelle Instrumente zu verwenden. Es braucht eben auch ein GefĂŒhl fĂŒr Rhythmus und Klang.

Hier einige Themen, die ich dir mitgeben möchte, wenn du diesen Weg beschreiten möchtest:

Mixing, Mastering

  • Digital-Audio-Workstation (DAW)
  • Virtuelle Instrumente und Effekte (Plugins)
  • Abhöre

Beats

  • Musikalisches GrundverstĂ€ndnis
  • Hardware-Controller
  • Musikvideoproduktion

Neben allgemeinen ErklĂ€rungen und Tipps aus der Praxis werden weiterfĂŒhrende Informationen in Form von Links zur VerfĂŒgung gestellt, z.B.:

  • Lernvideos
  • Blog-BeitrĂ€ge
  • Audiobeispiele
  • Produkte (DAWs, Plugins)

Interessante Nu-Funk Groophz Playlists auf YouTube:

Digital Audio Workstation

Ich gehe mal davon aus, dass du in irgendeiner Art und Weise bereits eine Möglichkeit gefunden hast, deine Vocals aufzunehmen. Damit kennst du schon eine wichtige Funktion einer Digital Audio Workstation: die Aufnahme (Recording).

Recording

Nehmen wir z.B. Audacity. Es ist weit verbreitet, da es kostenlos und plattformĂŒbergreifend auf Mac, Windows und Linux genutzt werden kann. Audacity bietet u.a. mehrere Spuren an und erlaubt dir das Abspielen eines Beats wĂ€hrend du deine Vocals aufnimmst. FĂŒr das Recording ist das eine prima Sache.

Da man mehr als zwei Spuren zur VerfĂŒgung hat, spricht nichts dagegen, deine Vocals in verschiedenen Spuren aufzunehmen, z.B. Verse, Chorus/Hook, Doubles. Da man in diesem Fall schon alles beieinander hat, könnte man nun den nĂ€chsten Schritt probieren und mit dem Mixing beginnen.

Mixing

TatsĂ€chlich beschreibt das Audacity Handbuch eine Menge an Dingen, die man beim Mixing auch tun wĂŒrde, wie

  • Festlegen der VerarbeitungsqualitĂ€t ĂŒber Sample-Rate (KHz) bzw. -Format (bit)
  • Schneiden von Aufnahmespuren (Tracks) in Teilbereiche (Slices)
  • Slices löschen, ausrichten, stummschalten, LautstĂ€rke anpassen (Normalisieren)
  • Speziell fĂŒr Vocals: Tonhöhenanpassung ohne GeschwindigkeitsverĂ€nderung (Pitch Shifting)
  • Speziell fĂŒr Beats: Geschwindigkeitsanpassung ohne TonhöhenverĂ€nderung (Time Stretching)
  • und jede Menge anderer Effekte (FX), welche die Slices bzw. Spuren zum großen Teil klanglich verĂ€ndern

Das sieht auf den ersten Blick sehr vielversprechend aus. Nun, was fehlt denn noch fĂŒr ein gutes Mixing?

Das erste, was man feststellen wird, ist die höhere FlexibilitĂ€t, die DAWs mitbringen. Ich kann z.B. Automatisierung verwenden, die es mir erlaubt in einzelnen Spuren ĂŒber die SonglĂ€nge hinweg die Einstellungen von Effekten zu variieren. Ich muß also nicht den Effekt einmalig reinrechnen lassen in die Audio, sondern kann dessen Einstellungen im Zeitverlauf programmieren. Man macht das normalerweise durch VerĂ€ndern von Einstellungen wĂ€hrend der Song abgespielt wird und lĂ€ĂŸt das Aufzeichnen. Solche Automationen lassen sich spĂ€ter jederzeit bearbeiten. Siehe auch Creative Mix Automation In Your DAW, VocalRider, BassRider.

Zweites wichtiges Kriterium fĂŒr den DAW-Einsatz ist die KlangqualitĂ€t. Wenn das Audiomaterial durch einen Effekt geschickt wird, sollte nur der betrachtete Effekt eingerechnet werden. Wie gut das passiert, hĂ€ngt auch immer von der GĂŒte des Algorithmus ab. Man kann das mit dem Einsatz eines Mikrofons vergleichen: das Rauschverhalten bestimmt die QualitĂ€t der Aufnahme.

Nicht unbedingt notwendig, aber von Profis hĂ€ufig in DAWs genutzt, ist die UnterstĂŒtzung von virtuellen Instrumenten und dem MIDI-Standard. Nicht jedes Recording, selbst wenn die Instrumente in einzelnen Tracks vorliegen, genĂŒgen den klanglichen Anforderungen eines harmonischen Miteinanders. Beim Mixing kann es deshalb notwendig sein, weitere Instrumente hinzuzunehmen. Dies wird ĂŒber MIDI-Aufnahmen der Noten und das Hinzuschalten von Instrumenten-Plugins („in the box“-Ansatz) bzw. Hardware-Instrumenten („out of the box“-Ansatz) erreicht. Beispiel wĂ€re das Andicken einer akustischen Basstrommel (Kick) innerhalb der Einzelspuren eines Schlagzeugs (Drums) mit Hilfe eines basslastigen Synthesizers.

In The Box

„Out of the box“ ist ĂŒbrigens bei den Profis besonders gĂ€ngig beim Einsatz von Effekten, um nahe an den Klang der analogen GerĂ€te vergangener Jahrzehnte zu kommen. Unsere Hörgewohnheiten sind hiervon noch stark geprĂ€gt. Mittlerweile gibt es aber so gute Emulationen als Effekt-Plugins, dass einige Profis zumindest auf Reisen, auch komplette Projekte „in the box“ mixen. Zeit ist ja bekanntlich Geld.

Ich arbeite schon seit ich mich mit DAWs beschĂ€ftige „in the box“. Das ist ein geeignetes Vorgehen, wenn man sowieso keine Erfahrungen aus dem Studiobereich mitbringt, wie es bei mir der Fall ist. Zudem ist Hardware deutlich teurer und lohnt sich wirklich nur im Highendbereich der Topproduktionen. Dem semiprofessionellen Bereich kommt heute zu Gute, dass vielfach Musik auf Mittelklasse-Hardware gehört wird, z.B. iPhone, auf der man die Unterschiede nur mit geschultem Gehör ĂŒberhaupt wahrnimmt.

Mastering

Man kann jetzt darĂŒber streiten, ob eine DAW ein Mastering-Werkzeug ist. Da aber die klassischen Mastering-Werkzeuge, wie WaveLab, sich heute mehr oder weniger nur in der Anzahl und Art der Plugins unterscheiden, ist es eine Geschmacksfrage, mit welchem Werkzeug man arbeiten möchte. Einzige Ausnahme ist die Produktion von CD- bzw. DVD-Mastern, die einem vorgegebenen Standard folgen muß. Eine derartige UnterstĂŒtzung findet man in DAWs normalerweise nicht. DAWs werden auch nicht mit dem vollen Set an Mastering-Plugins geliefert, wie es bei Mastering-Werkzeugen der Fall ist. Aber in nur wenigen FĂ€llen wĂŒrde ein Profi auf lediglich mitgelieferte Plugins setzen.

Plugins

Es gibt eine nicht geringe Anzahl an Plugin-Herstellern, die eigene Mixing- und Mastering-Plugin-Suites anbieten. Deshalb ist bei der Wahl der DAW eigentlich nur wichtig, dass die jeweiligen Plugin-Schnittstellen, z.B. VST (Steinberg) oder AU (Apple), auch von allen ins Auge gefaßten Herstellern unterstĂŒtzt werden. Da diese Schnittstellen sowohl fĂŒr die virtuellen Instrumente als auch die Effekte einheitlich verwendet werden, und die meisten Hersteller alle gĂ€ngigen Schnittstellen zur VerfĂŒgung stellen, bleibt die Sache ĂŒberschaubar.

Generell ist es eine Preisfrage, ob man eine DAW mit ĂŒppiger Plugin-Ausstattung oder eine kostengĂŒnstigere Version einer DAW wĂ€hlt, die man mit einer Plugin-Sammlung von Drittherstellern ergĂ€nzt. Ein wichtiger Punkt spricht meist fĂŒr die große DAW-Version: Anzahl Spuren bzw. gleichzeitig nutzbarer Effekte je Spur. Man sollte sich im Klaren darĂŒber sein, dass Vieles mit wenigen Spuren geht, aber je schneller man lernt, desto schneller steigen die AnsprĂŒche an FlexibilitĂ€t (Spur) und Komfort (Effekte je Spur).

Audio-Interface

Wer mit DAWs arbeitet, wird bald auf die Idee kommen, ein Audio-Interface hinzuzukaufen. Es ist im Gegensatz zu den verfĂŒgbaren Soundkarten von Computern, auf den Audiobereich spezialisiert. Wichtig ist hier die UnterstĂŒtzung der gĂ€ngigen Audioprotokolle, wie ASIO (Steinberg) oder Core Audio (Apple) durch die beteiligten Hersteller.

Normalerweise werden die Audio-Interfaces heute ĂŒber USB an den Computer angeschlossen, da diese Schnittstelle heute alles Notwendige mitbringt. Eine 24 bit/192 KHz UnterstĂŒtzung durch die Analog/Digital-Wandler ist heute ebenfalls gĂ€ngig. Wer neben seinem Mikrofon (via XLR) noch weitere Instrumente/Hardware (via Klinke) aufnehmen bzw. ĂŒber MIDI-Schnittstelle steuern möchte, sollte auf passende und eine ausreichende Anzahl solcher Schnittstellen achten. Auch die Anzahl der AusgĂ€nge (Cinch, Klinke) kann wichtig sein, wenn man Hardware-Routing betreiben will (DAW -> Hardware -> DAW). Die Schnittstellenausstattung bestimmt maßgeblich den Preis eines Audio-Interfaces. Besonderes Augenmerk muss man auf die Latenz legen, wenn etwa mit einem MIDI-Keyboard Noten auf einer Spur aufgenommen werden sollen. Siehe auch Online-Ratgeber Audiointerfaces.

VerarbeitungsqualitÀt

Die hohen Kiloherz (KHz) sind nur wichtig, wenn man fĂŒr den DVD-Standard mixen will. Normalerweise wird Musik immer noch nach dem CD-Standard bereitgestellt, also 44.1 KHz, auch wenn nicht auf CD-Scheiben ausgeliefert wird. 44.1 KHz sind die Untergrenze bei analog-digitaler Wandlung, damit das hörbare Spektrum des menschlichen Gehöhrs komplett abgedeckt wird.

Schon interessanter ist die Auflösung in bit. CDs verwenden 16 bit. Allerdings ist das zu wenig, wenn man Spuren mit Effekten bearbeitet. Gibt es zu wenig Spielraum fĂŒr hochauflösende Berechnungen, mindern die notwendigen Rundungen die QualitĂ€t. Man sollte mindestens 24 bit verwenden. Moderne DAWs bieten intern sogar 32 bit an.

Wenn du also ein Songprojekt in deiner DAW anlegst, wÀre 44.1 KHz/24 bit ein guter Startpunkt.

ArbeitsablÀufe

Sowohl Recording, Mixing und Mastering werden anhand von Songprojekten in DAWs organisiert. Hierbei werden normalerweise mindestens mal Recording/Mixing und Mastering getrennt organisiert. Zum Einen hĂ€ngt die jeweilige Trennung von der Anzahl bzw. Art der Spuren ab, die man verarbeitet, um mehr Übersicht zu bekommen. Zum Anderen arbeitet man mit unterschiedlichen Zwischenformaten der Audiospuren, so dass zu bestimmten Zeitpunkten der Bearbeitung eine andere Abbildung des Songs betrachtet wird.

Recording

Bei aufwendigen Recordings wird es sinnvoll sein, diese in einem eigenen Projekt zu verwalten und spĂ€ter nur jene Spuren in das Mixing-Projekt zu ĂŒberfĂŒhren, die wirklich gemixt werden sollen. Es kann sinnvoll sein, im Recording-Projekt z.B. sehr aufwendige Slicings von Vocal-Aufnahmen zu erarbeiten und diese dann als einzelne Vocalspuren rendern zu lassen fĂŒr das Mixing-Projekt.

Mixing

Im Mixing-Projekt werden die Spuren zunĂ€chst auf Problemstellen hin untersucht und mit Equalizer- (EQ) und Compressor-Effekten vorbereitet. Je nach AusprĂ€gung des Effekts kann der Spur eine besondere KlangfĂ€rbung mitgegeben werden. Danach werden die LaustĂ€rkeverhĂ€ltnisse und das Panorama der Spuren zueinander festgelegt. FĂŒr alle Arbeitssschritte ist ein geschultes Gehör notwendig. Mixen ist, wie die Vocal-Performance, eine Kunst und folgt dem Zeitgeist und Geschmack des jeweiligen „Jahrzehnts“. Damit wirkt Mixing immer auch auf die Akzeptanz und den Erfolg eines Songs. Siehe auch Die 10 grĂ¶ĂŸten Mixing-Fehler, Die 10 grĂ¶ĂŸten Fehler bei der Kompressoreinstellung.

Die klangliche Harmonie der Spuren zueinander steht beim Mixing im Fokus. GrundsĂ€tzlich sollten einzelne Instrumente sowie die Vocals erkennbar bleiben, ohne dass sie aus dem Gesamtwerk besonders hervortreten. Allerdings gibt es hiervon Ausnahmen: wenn z.B. im Verlauf des Songs eine besondere Dramatik aufgebaut werden soll, kann es hilfreich sein, Instrumente oder Vocals per Automation kurzzeitig hervorzuheben oder zurĂŒckzunehmen. Dies kann durch SpurlautstĂ€rke, Frequenzanpassung oder Einsatz weiterer Effekte passieren, etwa durch Modulation des Audiosignals mit einem WahWah-Effekt.

Mastering

Soweit der Gesamtklang steht, wird im letzten Schritt das Mastering durchgefĂŒhrt. Die Einzelspuren des Mixing-Projekts werden zu einer einzigen Stereospur gerendert und dann als Audiodatei in das Mastering-Projekt importiert. Hierbei wird ein gewisser Abstand zur 0 dB Grenze der GesamtlautstĂ€rke zur VerfĂŒgung gestellt, sog. Headroom mit z.B. -6 dB, damit die Mastering-Plugins noch etwas Arbeitsbereich fĂŒr LautheitsverĂ€nderungen frei haben.

Tipp: Man kann wÀhrend des Mixings durchaus Limiter, Maximizer oder Compressor in der Masterspur verwenden, um testweise abzuhören, ob der Mix gelungen ist. Keine gute Idee ist es, diese Effekte in das Rendering mit einfliessen zu lassen.

Der Song wird noch mal auf Problemstellen hin untersucht (quasi 4-Augen-Prinzip), damit er dann auf das notwendige Lautheitsmaß angehoben werden kann, ohne klangliche Einbussen hinnehmen zu mĂŒssen. Weiterhin werden Anfang und Ende des Songs mit den notwendigen Pausen versehen, die bei Produktion eines Albums vorgeschrieben sind.

Tipp: Soweit dies nicht notwendig ist, schneide ich die Songs immer so, dass sie spÀter in einer Endlosschleife abgespielt werden können. Das hilft auch beim Abhören wÀhrend des Mixings.

Wird ein Album erstellt, kann es sein, dass auch noch mal klangliche Anpassungen notwendig werden, damit der Gesamteindruck des Albums nicht dadurch getrĂŒbt wird, dass die gewĂ€hlten Stile zu weit auseinander laufen. Diese FĂ€lle treten vor allem dann auf, wenn die jeweiligen Songs von unterschiedlichen Personen gemixt wurden. Da Songstruktur und Mixing eine Einheit bilden, kann es sinnvoll sein, fĂŒr bestimmte Songs eine bestimmte Art von Mixing einzukaufen. Der Mastering-Ingenieur definiert dann den Gesamteindruck des Albums.

Mixing-Projekt

Wer sich mit Mixing beschÀftigt, der wird den Mixer einer DAW ausgiebig zum Einsatz bringen. Hierbei kann zwischen drei Spurtypen unterschieden werden:

  • Einzelspur (Instrument, Vocals)
  • Gruppenspur (z.B. Drums)
  • Master
  • Send-Effekt

Maßgeblich geprĂ€gt ist diese Unterscheidung vom Zeitpunkt, wann die Spur gebraucht wird, und mit welchen Effekten diese wie genutzt wird.

Auf den Einzelspuren finden sich Audioaufnahmen und MIDI-basierte Instrumentenspuren als Audio wieder. Diesen werden neben den EQ- und Compressor-Effekten ggf. Effekte zur klanglichen FĂ€rbung hinzugefĂŒgt.

Gruppenspuren

In all jenen FĂ€llen, in denen fĂŒr Einzelspuren gleichen Typs, z.B. Vocals, die selben Effekte hinzugefĂŒgt werden sollen, werden die Spuren auf eine Gruppe umgeleitet im Mixer und dieser dann die gemeinsamen Effekte hinzugefĂŒgt.

Zum Schluss werden alle Einzelspuren ohne Gruppe und alle Gruppenspuren im Master zusammengefĂŒhrt. Der Master wird spĂ€ter als Ausgang fĂŒr das Rendering der Audiospur des Mastering-Projekts verwendet.

Bei der Anwendung von Effekten werden zwei FĂ€lle unterschieden:

  • Insert
  • Send

Insert-Effekt

„Insert“ ist immer dann gegeben, wenn der Effekt direkt in der Spur gesetzt wird und das Audiosignal der Spur komplett durch den Effekt geschickt werden soll. Hierbei kann es sich auch um eine MIDI-Spur handeln, deren Instrument zunĂ€chst in ein Audiosignal umgewandelt wird.

Send-Effekt

Bei „Send“ wird eine zusĂ€tzliche Spur benötigt (Aux, Hilfsspur), der ein Effekt als Insert hinzugefĂŒgt wird. Da diese Send-Spur selbst kein Audiosignal besitzt, wird es entsprechend auf sie abgezweigt, indem der ursprĂŒnglichen Spur unter den Send-Angaben die Send-Spur zugeordnet wird. Wenn nun die Send-Spur im entsprechenden VerhĂ€ltnis hinzugemischt wird, entsteht der entsprechende Effekt.

Man nutzt dieses Verfahren vor allem bei Effekten, die das Audiosignal der Spur nicht direkt verĂ€ndern sollen. So kann einer Spur z.B. ein gewisser Anteil Hall (Reverb) hinzugefĂŒgt werden, ohne das Audiosignal zu vermatschen. Effekte, die sehr rechenintensiv sind, werden ebenfalls auf Send-Spuren gelegt, damit die DAW ausreichend Rechenleistung behĂ€lt fĂŒr die restlichen Berechnungen.

Ein besonderer Klassiker, der Spuren fetter macht, die Parallel-Compression, wird in Àhnlicher Art und Weise realisiert. Die Send-Spur erhÀlt in diesem Fall einen Compressor, dessen Einstellungen u.a. mit hoher Kompressionsrate etwas grenzwertig eingestellt sind, um dem Signal durch Verzerrung etwas mehr Volumen zu verleihen.

Panorama

Panorama beschreibt die Links-Mitte-Rechts Ausrichtung von Spuren innerhalb eines Mixes. Es haben sich einige Grundregeln etabliert, z.B.:

  • Unser Gehör kann nicht alle Frequenzen gleich gut orten im Stereobild. Besonders bei tiefen Frequenzen wird es schwierig. Deshalb werden z.B. Basstrommel (Kick) und Bassgitarre (Bass) immer in der Mitte verortet. Ähnliches gilt fĂŒr andere Instrumente, wenn diese vor allem mit tiefen Frequenzen zum Einsatz kommen (z.B. Synthesizer).
  • Beim Mix von Einzelschlagzeugspuren (Kick, Snare, Hi-Hat, etc.) werden die jeweiligen Schlaginstrumente gemĂ€ĂŸ ihrer Position zum Schlagzeuger im Stereobild verortet.
  • Der Hall-Effekt gibt einem Instrument oder den Vocals Raumtiefe. Besondere Vorsicht gilt bei Kick und Bass. Beide tragen den Rhythmus des Songs. Zu lange Hallfahnen können den Punch vermatschen. Obwohl Vocals meistens Hall vertragen können, sind auch hier die tiefen Stimmlagen mit Vorsicht zu betrachten. Hall auf dem Master ist praktisch nicht sinnvoll.

Stereo-Mixes lassen sich ĂŒber psychoakustische Effekte in gewissem Maße um eine dritte Dimension erweitern. Hierbei wird auf bestimmte Aspekte des zeitlichen Verlaufs von Signalen in RĂ€umen durch Reflexionen gesetzt. Siehe hierzu Panorama, Panagement, Proximity.

Tipp: Es kann helfen, wenn man sich alle Instrumente und Vocals als Personen auf einer BĂŒhne vorstellt und sich Gedanken dazu macht, wo die Personen im dreidimensionalen Raum stehen. Der Mixing-Ingenieur steht dabei als Zuschauer vor der BĂŒhne.

FrequenzĂŒberlagerung

Nicht nur die LautstĂ€rke einer Spur legt fest, wie gut ein Instrument oder ein Vocal zu hören ist im Mix. Auch der Frequenzanteil kann Einfluss darauf nehmen. Hierbei besteht oftmals das Problem, dass fĂŒr den Klang unnötige Bestandteile in Effekten weiterbearbeitet werden und dadurch das Signal verschlechtert wird, z.B. tiefe Frequenzen der Gitarre im Compressor, oder es ĂŒberlagern sich Frequenzen verschiedener Spuren. Zumeist wird hier ein EQ bzw. Compressor zum Einsatz kommen, um etwas wegzuschneiden, zu verringern oder anzuheben.

Neben einem geschulten Gehör braucht es fĂŒr diese Arbeitsschritte eine Menge Erfahrung. Mittlerweile gibt es aber intelligente Plugins, die selbst den Profis eine Menge Arbeit abnehmen und Zeit einsparen helfen. Damit sind diese Plugins um so wertvoller fĂŒr Leute mit weniger Erfahrung. Siehe hierzu Neutron, Neutrino.

Tipp: Ich schalte bei Neutron alles bis auf den EQ aus, nachdem die Analyse der Spur durchlaufen wurde, weil ich gerne meine eigenen Compressoren und Exiter verwende.

Vocals mischen

Beim Rap sind gerade die Vocals extrem wichtig. Deshalb ist hier besondere Sorgfalt notwendig. Nur so kann der Beat mit den Vocals harmonieren und eine Einheit bilden, bei der das eine nicht ohne das andere auskommt. Voraussetzung dafĂŒr ist, dass der Beat bereits ordentlich „Schwung“ mitbringt, der sich auf den Rapper ĂŒbertrĂ€gt und den Flow so entfacht, das die Vocals dem Beat etwas Wertvolles hinzufĂŒgen. Das erkennt man besonders daran, wenn die Vocals alleine abgehört werden, und sich im Kopf der Beat quasi mit raushören lĂ€ĂŸt.

Tuning

Mal vorausgesetzt, du als Rapper hast beim Recording alles notwendige unternommen, so dass Flow und VerstĂ€ndlichkeit des Textes gewĂ€hrleistet sind, sind im ersten Schritt meist die „Autotune-Aspekte“ zu betrachten. Hierbei geht es nicht darum den Cher/T-Pain-Effekt hinzuzunehmen, sondern die Einzellaute (Phoneme) auf ihre richtige Position im Notensystem des Beats hin zu prĂŒfen.

Jeder Beat bringt eine Basisnote mit, an der sich alle Instrumente mehr oder weniger orientieren. Dies ist der Ausgangspunkt der Betrachtung. Selbst wenn der Text nur „gesprochen“ daher kommt, wird gerade bei Betonungen deutlich, ob der Text zur Basisnote des Beats passt. Soweit im Chorus bzw. der Hook auch noch Gesangsparts auftauchen, wird es erst recht spannend in diese Richtung zu schauen.

Moderne Vocal-Plugins, von denen AutoTune vielleicht als der Ursprung angesehen werden kann, erlauben die Vocals zu sezieren und deren Noten sogar automatisiert hoch- bzw. runterzusetzen anhand der gesetzten Basisnote. Weitere Aspekte sind die zeitliche Position bzw. die LĂ€nge der Note, so daß Flow-Probleme aufgelöst werden können. Es ist ĂŒbrigens ein Leichtes mit diesen Möglichkeiten Doubles oder Mehrstimmigkeit zu erzeugen, falls mal Zeit eingespart werden muss beim Recording.

Allerdings sollte man mit Bedacht mit dem Thema Zeiteinsparung umgehen. Je schlechter das Ausgangsmaterial einer Aufnahme, desto mehr Zeit wird deren Anpassung verschlingen. Hierbei wird der Aufwand aber nicht nur nach hinten verlagert, sondern man zahlt auch einen Preis: die QualitÀt des Endergebnisses verschlechtert sich immer. Deshalb ist es wichtig, dass ganz am Anfang der Produktionskette, dem Recording, bereits so wenig Fehler wie möglich gemacht werden.

Tipp: Besser mehr Tracks aufnehmen und die problematischen Details sofort ausbessern, als darauf zu hoffen, dass die spĂ€tere Überarbeitung es rausholen wird. Wo keine QualitĂ€t existiert, kann man spĂ€ter leider keine mehr hineinzaubern.

Ein Ärgernis, mit dem ich immer mal wieder zu kĂ€mpfen habe, weil Rapper bei den Recordings nicht sorgfĂ€ltig genug gearbeitet haben.

Frequenzen

Die VerstĂ€ndlichkeit im Mix wird u.a. auch von den Frequenzen der Vocal-Aufnahme bestimmt. Hierbei werden vor allem die tiefen Bereiche weggeschnitten, um die anschließende Kompression nicht negativ zu beinflussen. Es gibt bestimmte Frequenzen im Mittenbereich, die angehoben oder abgesenkt die Klarheit der Aussprache verbessern helfen. Wer noch etwas „Feenstaub“ bw. Brillianz hinzufĂŒgen möchte, der wird auch die hohen Frequenzbereiche anheben wollen.

Ich möchte an dieser Stellen keine numerischen Angaben machen, da diese immer vom Ausgangsmaterial abhĂ€ngen und besonders dem geschulten Gehör, wĂ€hrend man den EQ zum Einsatz bringt. Zudem gibt es mittlerweile Plugins, die mit etwas Intelligenz ausgestattet viele Vorarbeiten automatisch fĂŒr einen erledigen, etwa Neutron, Nectar oder VoiceCentric. Siehe auch The Vocal EQ Cheat Sheet.

LautstÀrkedynamik

Zu starke LautstĂ€rkeunterschiede in den Vocals können beim Mixing zu Problemen fĂŒhren, die mit Kompressoren eingefangen werden können. Als Abfallprodukt ensteht hierbei auch die Möglichkeit Vocals lauter zu machen. Dies ist aber nicht primĂ€r das Ziel. Es geht vielmehr darum, die Dynamik der Aufnahme einzufangen und fĂŒr den Mix eine sinnvolle Begrenzung einzubringen, ohne den Charakter der Aufnahme zu stark zu beeintrĂ€chtigen.

Damit Kompressoren gut arbeiten können, sollten problematische Frequenzbereiche vorher mit einem EQ bearbeitet worden sein. FĂŒr die Verbesserung der VerstĂ€ndlichkeit der Aufnahme bietet es sich an, die hierfĂŒr notwendige Anpassung durch einen EQ nach dem Einsatz der Kompression durchzufĂŒhren.

Besonderes Augenmerk muß auf Zischlaute gelegt werden, die durch Anhebung von Frequenzen und gleichzeitiger Bearbeitung durch Kompression verstĂ€rkt werden können. Man verwendet spezielle Kompressoren, sog. De-Esser, um diese ĂŒberbetonten Bereiche entsprechend abzumildern. Wichtig hierbei ist, den De-Esser sparsam einzusetzen, da sonst leicht ein Lispeleffekt eintreten kann, der die VerstĂ€ndlichkeit beeintrĂ€chtigt. Siehe hierzu Vocals mischen – So bringt ihr eure Vocals in Mix und Mastering.

WeiterfĂŒhrende Information

Crashkurs Mixing
The 5 Drivers of Mixing
Mastering am Computer
(Wird fortgesetzt)