Beat my Mix, Master!


Version 0.4

Einleitung

Wer als Rapper darüber nachdenkt, wie er seine Beats selber gestalten kann oder nur freie Beats mit seinen Gesangsaufnahmen mischen möchte, sog. Mixing, der sollte sich im Klaren darüber sein, dass es mindestens mal so lange an Einarbeitungszeit braucht, wie das Rappen selbst benötigt. Aber für einen guten Klang wird das Mischen nicht ausreichen. Mastern gehört ja irgendwie auch immer dazu.

Ich habe 1987 mit dem Rappen angefangen, bin dann zum Beats produzieren übergegangen um 2000 rum, um schließlich festzustellen, dass es nicht ausreicht Samples oder virtuelle Instrumente zu verwenden. Es braucht eben auch ein Gefühl für Rhythmus und Klang.

Hier einige Themen, die ich dir mitgeben möchte, wenn du diesen Weg beschreiten möchtest:

Mixing, Mastering

  • Digital-Audio-Workstation (DAW)
  • Virtuelle Instrumente und Effekte (Plugins)
  • Abhöre

Beats

  • Musikalisches Grundverständnis
  • Hardware-Controller
  • Musikvideoproduktion

Neben allgemeinen Erklärungen und Tipps aus der Praxis werden weiterführende Informationen in Form von Links zur Verfügung gestellt, z.B.:

  • Lernvideos
  • Blog-Beiträge
  • Audiobeispiele
  • Produkte (DAWs, Plugins)

Interessante Nu-Funk Groophz Playlists auf YouTube:

Digital Audio Workstation

Ich gehe mal davon aus, dass du in irgendeiner Art und Weise bereits eine Möglichkeit gefunden hast, deine Vocals aufzunehmen. Damit kennst du schon eine wichtige Funktion einer Digital Audio Workstation: die Aufnahme (Recording).

Recording

Nehmen wir z.B. Audacity. Es ist weit verbreitet, da es kostenlos und plattformübergreifend auf Mac, Windows und Linux genutzt werden kann. Audacity bietet u.a. mehrere Spuren an und erlaubt dir das Abspielen eines Beats während du deine Vocals aufnimmst. Für das Recording ist das eine prima Sache.

Da man mehr als zwei Spuren zur Verfügung hat, spricht nichts dagegen, deine Vocals in verschiedenen Spuren aufzunehmen, z.B. Verse, Chorus/Hook, Doubles. Da man in diesem Fall schon alles beieinander hat, könnte man nun den nächsten Schritt probieren und mit dem Mixing beginnen.

Mixing

Tatsächlich beschreibt das Audacity Handbuch eine Menge an Dingen, die man beim Mixing auch tun würde, wie

  • Festlegen der Verarbeitungsqualität über Sample-Rate (KHz) bzw. -Format (bit)
  • Schneiden von Aufnahmespuren (Tracks) in Teilbereiche (Slices)
  • Slices löschen, ausrichten, stummschalten, Lautstärke anpassen (Normalisieren)
  • Speziell für Vocals: Tonhöhenanpassung ohne Geschwindigkeitsveränderung (Pitch Shifting)
  • Speziell für Beats: Geschwindigkeitsanpassung ohne Tonhöhenveränderung (Time Stretching)
  • und jede Menge anderer Effekte (FX), welche die Slices bzw. Spuren zum großen Teil klanglich verändern

Das sieht auf den ersten Blick sehr vielversprechend aus. Nun, was fehlt denn noch für ein gutes Mixing?

Das erste, was man feststellen wird, ist die höhere Flexibilität, die DAWs mitbringen. Ich kann z.B. Automatisierung verwenden, die es mir erlaubt in einzelnen Spuren über die Songlänge hinweg die Einstellungen von Effekten zu variieren. Ich muß also nicht den Effekt einmalig reinrechnen lassen in die Audio, sondern kann dessen Einstellungen im Zeitverlauf programmieren. Man macht das normalerweise durch Verändern von Einstellungen während der Song abgespielt wird und läßt das Aufzeichnen. Solche Automationen lassen sich später jederzeit bearbeiten. Siehe auch Creative Mix Automation In Your DAW, VocalRider, BassRider.

Zweites wichtiges Kriterium für den DAW-Einsatz ist die Klangqualität. Wenn das Audiomaterial durch einen Effekt geschickt wird, sollte nur der betrachtete Effekt eingerechnet werden. Wie gut das passiert, hängt auch immer von der Güte des Algorithmus ab. Man kann das mit dem Einsatz eines Mikrofons vergleichen: das Rauschverhalten bestimmt die Qualität der Aufnahme.

Nicht unbedingt notwendig, aber von Profis häufig in DAWs genutzt, ist die Unterstützung von virtuellen Instrumenten und dem MIDI-Standard. Nicht jedes Recording, selbst wenn die Instrumente in einzelnen Tracks vorliegen, genügen den klanglichen Anforderungen eines harmonischen Miteinanders. Beim Mixing kann es deshalb notwendig sein, weitere Instrumente hinzuzunehmen. Dies wird über MIDI-Aufnahmen der Noten und das Hinzuschalten von Instrumenten-Plugins („in the box“-Ansatz) bzw. Hardware-Instrumenten („out of the box“-Ansatz) erreicht. Beispiel wäre das Andicken einer akustischen Basstrommel (Kick) innerhalb der Einzelspuren eines Schlagzeugs (Drums) mit Hilfe eines basslastigen Synthesizers.

In The Box

„Out of the box“ ist übrigens bei den Profis besonders gängig beim Einsatz von Effekten, um nahe an den Klang der analogen Geräte vergangener Jahrzehnte zu kommen. Unsere Hörgewohnheiten sind hiervon noch stark geprägt. Mittlerweile gibt es aber so gute Emulationen als Effekt-Plugins, dass einige Profis zumindest auf Reisen, auch komplette Projekte „in the box“ mixen. Zeit ist ja bekanntlich Geld.

Ich arbeite schon seit ich mich mit DAWs beschäftige „in the box“. Das ist ein geeignetes Vorgehen, wenn man sowieso keine Erfahrungen aus dem Studiobereich mitbringt, wie es bei mir der Fall ist. Zudem ist Hardware deutlich teurer und lohnt sich wirklich nur im Highendbereich der Topproduktionen. Dem semiprofessionellen Bereich kommt heute zu Gute, dass vielfach Musik auf Mittelklasse-Hardware gehört wird, z.B. iPhone, auf der man die Unterschiede nur mit geschultem Gehör überhaupt wahrnimmt.

Mastering

Man kann jetzt darüber streiten, ob eine DAW ein Mastering-Werkzeug ist. Da aber die klassischen Mastering-Werkzeuge, wie WaveLab, sich heute mehr oder weniger nur in der Anzahl und Art der Plugins unterscheiden, ist es eine Geschmacksfrage, mit welchem Werkzeug man arbeiten möchte. Einzige Ausnahme ist die Produktion von CD- bzw. DVD-Mastern, die einem vorgegebenen Standard folgen muß. Eine derartige Unterstützung findet man in DAWs normalerweise nicht. DAWs werden auch nicht mit dem vollen Set an Mastering-Plugins geliefert, wie es bei Mastering-Werkzeugen der Fall ist. Aber in nur wenigen Fällen würde ein Profi auf lediglich mitgelieferte Plugins setzen.

Plugins

Es gibt eine nicht geringe Anzahl an Plugin-Herstellern, die eigene Mixing- und Mastering-Plugin-Suites anbieten. Deshalb ist bei der Wahl der DAW eigentlich nur wichtig, dass die jeweiligen Plugin-Schnittstellen, z.B. VST (Steinberg) oder AU (Apple), auch von allen ins Auge gefaßten Herstellern unterstützt werden. Da diese Schnittstellen sowohl für die virtuellen Instrumente als auch die Effekte einheitlich verwendet werden, und die meisten Hersteller alle gängigen Schnittstellen zur Verfügung stellen, bleibt die Sache überschaubar.

Generell ist es eine Preisfrage, ob man eine DAW mit üppiger Plugin-Ausstattung oder eine kostengünstigere Version einer DAW wählt, die man mit einer Plugin-Sammlung von Drittherstellern ergänzt. Ein wichtiger Punkt spricht meist für die große DAW-Version: Anzahl Spuren bzw. gleichzeitig nutzbarer Effekte je Spur. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass Vieles mit wenigen Spuren geht, aber je schneller man lernt, desto schneller steigen die Ansprüche an Flexibilität (Spur) und Komfort (Effekte je Spur).

Audio-Interface

Wer mit DAWs arbeitet, wird bald auf die Idee kommen, ein Audio-Interface hinzuzukaufen. Es ist im Gegensatz zu den verfügbaren Soundkarten von Computern, auf den Audiobereich spezialisiert. Wichtig ist hier die Unterstützung der gängigen Audioprotokolle, wie ASIO (Steinberg) oder Core Audio (Apple) durch die beteiligten Hersteller.

Normalerweise werden die Audio-Interfaces heute über USB an den Computer angeschlossen, da diese Schnittstelle heute alles Notwendige mitbringt. Eine 24 bit/192 KHz Unterstützung durch die Analog/Digital-Wandler ist heute ebenfalls gängig. Wer neben seinem Mikrofon (via XLR) noch weitere Instrumente/Hardware (via Klinke) aufnehmen bzw. über MIDI-Schnittstelle steuern möchte, sollte auf passende und eine ausreichende Anzahl solcher Schnittstellen achten. Auch die Anzahl der Ausgänge (Cinch, Klinke) kann wichtig sein, wenn man Hardware-Routing betreiben will (DAW -> Hardware -> DAW). Die Schnittstellenausstattung bestimmt maßgeblich den Preis eines Audio-Interfaces. Besonderes Augenmerk muss man auf die Latenz legen, wenn etwa mit einem MIDI-Keyboard Noten auf einer Spur aufgenommen werden sollen. Siehe auch Online-Ratgeber Audiointerfaces.

Verarbeitungsqualität

Die hohen Kiloherz (KHz) sind nur wichtig, wenn man für den DVD-Standard mixen will. Normalerweise wird Musik immer noch nach dem CD-Standard bereitgestellt, also 44.1 KHz, auch wenn nicht auf CD-Scheiben ausgeliefert wird. 44.1 KHz sind die Untergrenze bei analog-digitaler Wandlung, damit das hörbare Spektrum des menschlichen Gehöhrs komplett abgedeckt wird.

Schon interessanter ist die Auflösung in bit. CDs verwenden 16 bit. Allerdings ist das zu wenig, wenn man Spuren mit Effekten bearbeitet. Gibt es zu wenig Spielraum für hochauflösende Berechnungen, mindern die notwendigen Rundungen die Qualität. Man sollte mindestens 24 bit verwenden. Moderne DAWs bieten intern sogar 32 bit an.

Wenn du also ein Songprojekt in deiner DAW anlegst, wäre 44.1 KHz/24 bit ein guter Startpunkt.

Arbeitsabläufe

Sowohl Recording, Mixing und Mastering werden anhand von Songprojekten in DAWs organisiert. Hierbei werden normalerweise mindestens mal Recording/Mixing und Mastering getrennt organisiert. Zum Einen hängt die jeweilige Trennung von der Anzahl bzw. Art der Spuren ab, die man verarbeitet, um mehr Übersicht zu bekommen. Zum Anderen arbeitet man mit unterschiedlichen Zwischenformaten der Audiospuren, so dass zu bestimmten Zeitpunkten der Bearbeitung eine andere Abbildung des Songs betrachtet wird.

Recording

Bei aufwendigen Recordings wird es sinnvoll sein, diese in einem eigenen Projekt zu verwalten und später nur jene Spuren in das Mixing-Projekt zu überführen, die wirklich gemixt werden sollen. Es kann sinnvoll sein, im Recording-Projekt z.B. sehr aufwendige Slicings von Vocal-Aufnahmen zu erarbeiten und diese dann als einzelne Vocalspuren rendern zu lassen für das Mixing-Projekt.

Mixing

Im Mixing-Projekt werden die Spuren zunächst auf Problemstellen hin untersucht und mit Equalizer- (EQ) und Compressor-Effekten vorbereitet. Je nach Ausprägung des Effekts kann der Spur eine besondere Klangfärbung mitgegeben werden. Danach werden die Laustärkeverhältnisse und das Panorama der Spuren zueinander festgelegt. Für alle Arbeitssschritte ist ein geschultes Gehör notwendig. Mixen ist, wie die Vocal-Performance, eine Kunst und folgt dem Zeitgeist und Geschmack des jeweiligen „Jahrzehnts“. Damit wirkt Mixing immer auch auf die Akzeptanz und den Erfolg eines Songs. Siehe auch Die 10 größten Mixing-Fehler, Die 10 größten Fehler bei der Kompressoreinstellung.

Die klangliche Harmonie der Spuren zueinander steht beim Mixing im Fokus. Grundsätzlich sollten einzelne Instrumente sowie die Vocals erkennbar bleiben, ohne dass sie aus dem Gesamtwerk besonders hervortreten. Allerdings gibt es hiervon Ausnahmen: wenn z.B. im Verlauf des Songs eine besondere Dramatik aufgebaut werden soll, kann es hilfreich sein, Instrumente oder Vocals per Automation kurzzeitig hervorzuheben oder zurückzunehmen. Dies kann durch Spurlautstärke, Frequenzanpassung oder Einsatz weiterer Effekte passieren, etwa durch Modulation des Audiosignals mit einem WahWah-Effekt.

Mastering

Soweit der Gesamtklang steht, wird im letzten Schritt das Mastering durchgeführt. Die Einzelspuren des Mixing-Projekts werden zu einer einzigen Stereospur gerendert und dann als Audiodatei in das Mastering-Projekt importiert. Hierbei wird ein gewisser Abstand zur 0 dB Grenze der Gesamtlautstärke zur Verfügung gestellt, sog. Headroom mit z.B. -6 dB, damit die Mastering-Plugins noch etwas Arbeitsbereich für Lautheitsveränderungen frei haben.

Tipp: Man kann während des Mixings durchaus Limiter, Maximizer oder Compressor in der Masterspur verwenden, um testweise abzuhören, ob der Mix gelungen ist. Keine gute Idee ist es, diese Effekte in das Rendering mit einfliessen zu lassen.

Der Song wird noch mal auf Problemstellen hin untersucht (quasi 4-Augen-Prinzip), damit er dann auf das notwendige Lautheitsmaß angehoben werden kann, ohne klangliche Einbussen hinnehmen zu müssen. Weiterhin werden Anfang und Ende des Songs mit den notwendigen Pausen versehen, die bei Produktion eines Albums vorgeschrieben sind.

Tipp: Soweit dies nicht notwendig ist, schneide ich die Songs immer so, dass sie später in einer Endlosschleife abgespielt werden können. Das hilft auch beim Abhören während des Mixings.

Wird ein Album erstellt, kann es sein, dass auch noch mal klangliche Anpassungen notwendig werden, damit der Gesamteindruck des Albums nicht dadurch getrübt wird, dass die gewählten Stile zu weit auseinander laufen. Diese Fälle treten vor allem dann auf, wenn die jeweiligen Songs von unterschiedlichen Personen gemixt wurden. Da Songstruktur und Mixing eine Einheit bilden, kann es sinnvoll sein, für bestimmte Songs eine bestimmte Art von Mixing einzukaufen. Der Mastering-Ingenieur definiert dann den Gesamteindruck des Albums.

Mixing-Projekt

Wer sich mit Mixing beschäftigt, der wird den Mixer einer DAW ausgiebig zum Einsatz bringen. Hierbei kann zwischen drei Spurtypen unterschieden werden:

  • Einzelspur (Instrument, Vocals)
  • Gruppenspur (z.B. Drums)
  • Master
  • Send-Effekt

Maßgeblich geprägt ist diese Unterscheidung vom Zeitpunkt, wann die Spur gebraucht wird, und mit welchen Effekten diese wie genutzt wird.

Auf den Einzelspuren finden sich Audioaufnahmen und MIDI-basierte Instrumentenspuren als Audio wieder. Diesen werden neben den EQ- und Compressor-Effekten ggf. Effekte zur klanglichen Färbung hinzugefügt.

Gruppenspuren

In all jenen Fällen, in denen für Einzelspuren gleichen Typs, z.B. Vocals, die selben Effekte hinzugefügt werden sollen, werden die Spuren auf eine Gruppe umgeleitet im Mixer und dieser dann die gemeinsamen Effekte hinzugefügt.

Zum Schluss werden alle Einzelspuren ohne Gruppe und alle Gruppenspuren im Master zusammengeführt. Der Master wird später als Ausgang für das Rendering der Audiospur des Mastering-Projekts verwendet.

Bei der Anwendung von Effekten werden zwei Fälle unterschieden:

  • Insert
  • Send

Insert-Effekt

„Insert“ ist immer dann gegeben, wenn der Effekt direkt in der Spur gesetzt wird und das Audiosignal der Spur komplett durch den Effekt geschickt werden soll. Hierbei kann es sich auch um eine MIDI-Spur handeln, deren Instrument zunächst in ein Audiosignal umgewandelt wird.

Send-Effekt

Bei „Send“ wird eine zusätzliche Spur benötigt (Aux, Hilfsspur), der ein Effekt als Insert hinzugefügt wird. Da diese Send-Spur selbst kein Audiosignal besitzt, wird es entsprechend auf sie abgezweigt, indem der ursprünglichen Spur unter den Send-Angaben die Send-Spur zugeordnet wird. Wenn nun die Send-Spur im entsprechenden Verhältnis hinzugemischt wird, entsteht der entsprechende Effekt.

Man nutzt dieses Verfahren vor allem bei Effekten, die das Audiosignal der Spur nicht direkt verändern sollen. So kann einer Spur z.B. ein gewisser Anteil Hall (Reverb) hinzugefügt werden, ohne das Audiosignal zu vermatschen. Effekte, die sehr rechenintensiv sind, werden ebenfalls auf Send-Spuren gelegt, damit die DAW ausreichend Rechenleistung behält für die restlichen Berechnungen.

Ein besonderer Klassiker, der Spuren fetter macht, die Parallel-Compression, wird in ähnlicher Art und Weise realisiert. Die Send-Spur erhält in diesem Fall einen Compressor, dessen Einstellungen u.a. mit hoher Kompressionsrate etwas grenzwertig eingestellt sind, um dem Signal durch Verzerrung etwas mehr Volumen zu verleihen.

Panorama

Panorama beschreibt die Links-Mitte-Rechts Ausrichtung von Spuren innerhalb eines Mixes. Es haben sich einige Grundregeln etabliert, z.B.:

  • Unser Gehör kann nicht alle Frequenzen gleich gut orten im Stereobild. Besonders bei tiefen Frequenzen wird es schwierig. Deshalb werden z.B. Basstrommel (Kick) und Bassgitarre (Bass) immer in der Mitte verortet. Ähnliches gilt für andere Instrumente, wenn diese vor allem mit tiefen Frequenzen zum Einsatz kommen (z.B. Synthesizer).
  • Beim Mix von Einzelschlagzeugspuren (Kick, Snare, Hi-Hat, etc.) werden die jeweiligen Schlaginstrumente gemäß ihrer Position zum Schlagzeuger im Stereobild verortet.
  • Der Hall-Effekt gibt einem Instrument oder den Vocals Raumtiefe. Besondere Vorsicht gilt bei Kick und Bass. Beide tragen den Rhythmus des Songs. Zu lange Hallfahnen können den Punch vermatschen. Obwohl Vocals meistens Hall vertragen können, sind auch hier die tiefen Stimmlagen mit Vorsicht zu betrachten. Hall auf dem Master ist praktisch nicht sinnvoll.

Stereo-Mixes lassen sich über psychoakustische Effekte in gewissem Maße um eine dritte Dimension erweitern. Hierbei wird auf bestimmte Aspekte des zeitlichen Verlaufs von Signalen in Räumen durch Reflexionen gesetzt. Siehe hierzu Panorama, Panagement, Proximity.

Tipp: Es kann helfen, wenn man sich alle Instrumente und Vocals als Personen auf einer Bühne vorstellt und sich Gedanken dazu macht, wo die Personen im dreidimensionalen Raum stehen. Der Mixing-Ingenieur steht dabei als Zuschauer vor der Bühne.

Frequenzüberlagerung

Nicht nur die Lautstärke einer Spur legt fest, wie gut ein Instrument oder ein Vocal zu hören ist im Mix. Auch der Frequenzanteil kann Einfluss darauf nehmen. Hierbei besteht oftmals das Problem, dass für den Klang unnötige Bestandteile in Effekten weiterbearbeitet werden und dadurch das Signal verschlechtert wird, z.B. tiefe Frequenzen der Gitarre im Compressor, oder es überlagern sich Frequenzen verschiedener Spuren. Zumeist wird hier ein EQ bzw. Compressor zum Einsatz kommen, um etwas wegzuschneiden, zu verringern oder anzuheben.

Neben einem geschulten Gehör braucht es für diese Arbeitsschritte eine Menge Erfahrung. Mittlerweile gibt es aber intelligente Plugins, die selbst den Profis eine Menge Arbeit abnehmen und Zeit einsparen helfen. Damit sind diese Plugins um so wertvoller für Leute mit weniger Erfahrung. Siehe hierzu Neutron, Neutrino.

Tipp: Ich schalte bei Neutron alles bis auf den EQ aus, nachdem die Analyse der Spur durchlaufen wurde, weil ich gerne meine eigenen Compressoren und Exiter verwende.

Vocals mischen

Beim Rap sind gerade die Vocals extrem wichtig. Deshalb ist hier besondere Sorgfalt notwendig. Nur so kann der Beat mit den Vocals harmonieren und eine Einheit bilden, bei der das eine nicht ohne das andere auskommt. Voraussetzung dafür ist, dass der Beat bereits ordentlich „Schwung“ mitbringt, der sich auf den Rapper überträgt und den Flow so entfacht, das die Vocals dem Beat etwas Wertvolles hinzufügen. Das erkennt man besonders daran, wenn die Vocals alleine abgehört werden, und sich im Kopf der Beat quasi mit raushören läßt.

Tuning

Mal vorausgesetzt, du als Rapper hast beim Recording alles notwendige unternommen, so dass Flow und Verständlichkeit des Textes gewährleistet sind, sind im ersten Schritt meist die „Autotune-Aspekte“ zu betrachten. Hierbei geht es nicht darum den Cher/T-Pain-Effekt hinzuzunehmen, sondern die Einzellaute (Phoneme) auf ihre richtige Position im Notensystem des Beats hin zu prüfen.

Jeder Beat bringt eine Basisnote mit, an der sich alle Instrumente mehr oder weniger orientieren. Dies ist der Ausgangspunkt der Betrachtung. Selbst wenn der Text nur „gesprochen“ daher kommt, wird gerade bei Betonungen deutlich, ob der Text zur Basisnote des Beats passt. Soweit im Chorus bzw. der Hook auch noch Gesangsparts auftauchen, wird es erst recht spannend in diese Richtung zu schauen.

Moderne Vocal-Plugins, von denen AutoTune vielleicht als der Ursprung angesehen werden kann, erlauben die Vocals zu sezieren und deren Noten sogar automatisiert hoch- bzw. runterzusetzen anhand der gesetzten Basisnote. Weitere Aspekte sind die zeitliche Position bzw. die Länge der Note, so daß Flow-Probleme aufgelöst werden können. Es ist übrigens ein Leichtes mit diesen Möglichkeiten Doubles oder Mehrstimmigkeit zu erzeugen, falls mal Zeit eingespart werden muss beim Recording.

Allerdings sollte man mit Bedacht mit dem Thema Zeiteinsparung umgehen. Je schlechter das Ausgangsmaterial einer Aufnahme, desto mehr Zeit wird deren Anpassung verschlingen. Hierbei wird der Aufwand aber nicht nur nach hinten verlagert, sondern man zahlt auch einen Preis: die Qualität des Endergebnisses verschlechtert sich immer. Deshalb ist es wichtig, dass ganz am Anfang der Produktionskette, dem Recording, bereits so wenig Fehler wie möglich gemacht werden.

Tipp: Besser mehr Tracks aufnehmen und die problematischen Details sofort ausbessern, als darauf zu hoffen, dass die spätere Überarbeitung es rausholen wird. Wo keine Qualität existiert, kann man später leider keine mehr hineinzaubern.

Ein Ärgernis, mit dem ich immer mal wieder zu kämpfen habe, weil Rapper bei den Recordings nicht sorgfältig genug gearbeitet haben.

Frequenzen

Die Verständlichkeit im Mix wird u.a. auch von den Frequenzen der Vocal-Aufnahme bestimmt. Hierbei werden vor allem die tiefen Bereiche weggeschnitten, um die anschließende Kompression nicht negativ zu beinflussen. Es gibt bestimmte Frequenzen im Mittenbereich, die angehoben oder abgesenkt die Klarheit der Aussprache verbessern helfen. Wer noch etwas „Feenstaub“ bw. Brillianz hinzufügen möchte, der wird auch die hohen Frequenzbereiche anheben wollen.

Ich möchte an dieser Stellen keine numerischen Angaben machen, da diese immer vom Ausgangsmaterial abhängen und besonders dem geschulten Gehör, während man den EQ zum Einsatz bringt. Zudem gibt es mittlerweile Plugins, die mit etwas Intelligenz ausgestattet viele Vorarbeiten automatisch für einen erledigen, etwa Neutron, Nectar oder VoiceCentric. Siehe auch The Vocal EQ Cheat Sheet.

Lautstärkedynamik

Zu starke Lautstärkeunterschiede in den Vocals können beim Mixing zu Problemen führen, die mit Kompressoren eingefangen werden können. Als Abfallprodukt ensteht hierbei auch die Möglichkeit Vocals lauter zu machen. Dies ist aber nicht primär das Ziel. Es geht vielmehr darum, die Dynamik der Aufnahme einzufangen und für den Mix eine sinnvolle Begrenzung einzubringen, ohne den Charakter der Aufnahme zu stark zu beeinträchtigen.

Damit Kompressoren gut arbeiten können, sollten problematische Frequenzbereiche vorher mit einem EQ bearbeitet worden sein. Für die Verbesserung der Verständlichkeit der Aufnahme bietet es sich an, die hierfür notwendige Anpassung durch einen EQ nach dem Einsatz der Kompression durchzuführen.

Besonderes Augenmerk muß auf Zischlaute gelegt werden, die durch Anhebung von Frequenzen und gleichzeitiger Bearbeitung durch Kompression verstärkt werden können. Man verwendet spezielle Kompressoren, sog. De-Esser, um diese überbetonten Bereiche entsprechend abzumildern. Wichtig hierbei ist, den De-Esser sparsam einzusetzen, da sonst leicht ein Lispeleffekt eintreten kann, der die Verständlichkeit beeinträchtigt. Siehe hierzu Vocals mischen – So bringt ihr eure Vocals in Mix und Mastering.

Weiterführende Information

Crashkurs Mixing
The 5 Drivers of Mixing
Mastering am Computer
(Wird fortgesetzt)